30.01.2026

Panik kommt wie aus dem Nichts

Viele Menschen, die Panikattacken erleben, beschreiben es ähnlich: Es kommt aus dem Nichts. Eben war noch alles normal. Im nächsten Moment rast das Herz, der Atem wird flach, Schwindel breitet sich aus, Gedanken überschlagen sich. Manche haben das Gefühl, gleich die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder zu sterben. Diese Erfahrung ist zutiefst verunsichernd. Vor allem dann, wenn sie sich nicht erklären lässt. Keine konkrete Gefahr, kein klarer Auslöser, keine offensichtliche Ursache. Und doch reagiert Dein gesamtes System so, als wäre Dein Leben bedroht. Wenn Du Panikattacken kennst oder unter diffuser innerer Unruhe leidest, ist eine Sache wichtig: Dein Körper spinnt nicht. Dein Nervensystem reagiert. Nur zu schnell, zu stark und ohne dass Du es bewusst steuern kannst. Panik ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist oft Ausdruck eines überlasteten oder fehlregulierten Nervensystems.
Von: Sylia Hiemstra
Schwarz-Weiß-Aufnahme einer Frau mit Dutt, die ihr Gesicht mit den Händen bedeckt, stehend in einer Dusche.

Panik ist kein Zufall, sondern eine Reaktion Deines autonomen Nervensystems

Um Panik zu verstehen, hilft der Blick auf Dein autonomes Nervensystem. Es steuert Prozesse, die Du nicht bewusst kontrollierst: Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Verdauung. Vereinfacht kannst Du es Dir wie zwei Bewegungen vorstellen. Eine Bewegung aktiviert Dich und bringt Dich in Alarmbereitschaft. Eine andere Bewegung unterstützt Ruhe, Verbindung und das Gefühl von Sicherheit. Bei einer Panikattacke übernimmt der Alarmmodus schlagartig die Führung. Dein Körper schaltet in einen Zustand, der evolutionär sinnvoll ist: Kampf oder Flucht. Stresshormone werden ausgeschüttet, die Atmung beschleunigt sich, Muskeln spannen an, die Wahrnehmung verengt sich. Das passiert in Sekunden, schneller als Dein Verstand folgen kann. Das Entscheidende ist: Dieser Prozess läuft nicht über bewusste Entscheidung. Deshalb kannst Du ihn nicht einfach wegdenken. Genau das macht Panik so bedrohlich. Dein Körper reagiert, obwohl Dein Kopf weiß, dass gerade keine reale Gefahr da ist. Wenn Du tiefer einsteigen willst: Die Polyvagal Theorie beschreibt sehr gut, wie stark Dein Nervensystem zwischen Sicherheit und Gefahr scannt, oft ohne dass Du es merkst.

Die Panikspirale, wie Angst sich selbst verstärkt

Panik entsteht selten durch nur ein Symptom. Häufig entwickelt sie sich in einer Spirale. Ein erstes Körpersignal taucht auf, zum Beispiel Herzrasen oder flacher Atem. Dieses Signal wird als bedrohlich gedeutet. Der Gedanke startet: Was ist, wenn … Die Bewertung verstärkt den Alarm im Nervensystem. Noch mehr Stresshormone. Noch mehr Symptome. Der Körper meldet Gefahr. Der Verstand versucht Kontrolle und scheitert. Die Angst steigt weiter. So entsteht die Panikspirale: Körperreaktion, bedrohliche Bewertung, verstärkte Körperreaktion, steigende Angst. Und hier ist der Punkt, der vielen hilft: Je mehr Du versuchst, Symptome wegzudrücken oder zu kontrollieren, desto stärker kann die Panik werden. Nicht weil Du etwas falsch machst. Sondern weil Alarm sich durch Gegendruck oft weiter hochschaukelt.

Warum Panik oft aus dem Nichts kommt

Viele Betroffene suchen verzweifelt nach dem einen Auslöser. Häufig gibt es aber keinen klaren äußeren Anlass. Das liegt daran, dass Panik nicht nur vom Hier und Jetzt ausgelöst wird, sondern auch von gespeicherten inneren Zuständen. Dein Nervensystem speichert Erfahrungen, besonders solche, die mit Überforderung, Ohnmacht oder Angst verbunden waren. Diese Speicherungen laufen oft unterhalb der bewussten Ebene. Manchmal reicht ein innerer Zustand, eine Körperempfindung oder ein unbewusster Erinnerungsfetzen, um das System auf Alarm zu stellen. Das erklärt, warum Panikattacken auch in scheinbar sicheren Situationen auftreten können: im Supermarkt, im Auto, beim Einschlafen oder sogar in Ruhephasen. Das Nervensystem reagiert vorsorglich, weil es gelernt hat: Es könnte gefährlich sein.

Zwei Mikrointerventionen für den Akutmoment

Wenn Panik einsetzt, ist es entscheidend, nicht gegen sie zu kämpfen. Dein Nervensystem braucht in diesem Moment kein Argument, sondern Regulation. Kleine, gezielte Schritte können den Alarm unterbrechen.
  1. Ausatmung sanft verlängern Panik geht fast immer mit schneller, flacher Atmung einher. Wenn Du dann versuchst, besonders tief einzuatmen, verstärkt das manchmal die Aktivierung. Stattdessen: Atme normal ein und verlängere die Ausatmung sanft. Lass die Luft langsam und vollständig ausströmen. Damit sendest Du Deinem System ein Signal: Keine akute Gefahr. Schon wenige Atemzüge können die Intensität senken.
  2. Orientierung im Raum Panik zieht die Aufmerksamkeit stark nach innen. Du hilfst Deinem Nervensystem, wenn Du Dich nach außen orientierst. Benenne innerlich, was Du siehst, hörst oder spürst. Zum Beispiel drei Dinge, die Du sehen kannst, zwei Geräusche, einen Körperkontaktpunkt. Das unterstützt Dein System, wieder im Hier und Jetzt anzukommen.
Diese Interventionen lösen nicht die Ursachen. Aber sie können den Höhepunkt abflachen und Dir wieder Handlungsspielraum geben.

Warum reines Aushalten langfristig nicht reicht

Viele Menschen lernen, Panikattacken irgendwie auszuhalten. Sie funktionieren weiter, vermeiden bestimmte Situationen oder entwickeln Strategien, um nicht aufzufallen. Nach außen wirkt das stabil. Innerlich bleibt das Nervensystem oft dauerhaft angespannt. Und die Angst vor der nächsten Attacke läuft im Hintergrund mit. Langfristige Veränderung entsteht selten durch Kontrolle. Sie entsteht durch Regulation, Verständnis und neue Sicherheitserfahrungen. Nicht nur im Akutmoment, sondern auf tieferer Ebene. Genau hier kann therapeutische Begleitung ansetzen.

Wie Hypnose bei Panikattacken unterstützen kann

Hypnotherapeutische Arbeit ermöglicht einen direkten Zugang zum Nervensystem. In Trance wird der dauernde Alarm im Denken leiser. Gleichzeitig kann Dein Körper neue Zustände von Sicherheit erfahren. Hypnose gegen Angst bedeutet nicht, Panik wegzumachen. Es bedeutet, dem Nervensystem zu zeigen: Du musst nicht permanent wachsam sein. Alte Alarmmuster können sich lösen, innere Ressourcen werden aktiv, und Dein System lernt wieder besser zu unterscheiden zwischen realer Gefahr und gespeicherter Angst. Viele Menschen erleben dadurch Entlastung, weil sie nicht mehr gegen Symptome kämpfen müssen. Stattdessen entsteht ein innerer Raum, in dem Regulation möglich wird, sanft, nachhaltig und in Deinem Tempo.

Warum ein 60 Sekunden Video helfen kann

Manchmal reichen Worte nicht aus. Ein kurzer Videoimpuls kann Dir helfen, das Erklärte nicht nur zu verstehen, sondern auch zu spüren. In 60 Sekunden lässt sich vermitteln: Panik ist kein Feind, sondern ein fehlgeleitetes Schutzsystem. Ein solches Video kann Dich erinnern: Dein Körper ist lernfähig. Regulation ist möglich. Und Du bist der Panik nicht ausgeliefert, auch wenn es sich im Moment so anfühlt.
Panik verstehen verändert den Umgang mit ihr
Viele Menschen berichten, dass allein das Verstehen der Zusammenhänge etwas verschiebt. Panik verliert einen Teil ihres Schreckens, wenn Du weißt, was in Dir passiert. Du bist nicht verrückt. Dein Körper versucht, Dich zu schützen, nur auf eine Weise, die Dir heute nicht mehr dient. Dieser Perspektivwechsel ist oft der erste Schritt aus der Hilflosigkeit. Nicht, weil die Panik sofort verschwindet, sondern weil Du beginnst, anders mit ihr zu sein.
Dein nächster Schritt, Unterstützung statt Alleingang
Wenn Du unter Panikattacken oder ständiger innerer Unruhe leidest, musst Du diesen Weg nicht allein gehen. Eine Einzelhypnosesitzung kann Dir helfen, Dein Nervensystem gezielt zu beruhigen und neue innere Sicherheit aufzubauen. Wenn Du spürst, dass es Zeit ist, nicht nur Symptome zu managen, sondern Ursachen zu verstehen, lade ich Dich ein, Kontakt aufzunehmen. Veränderung beginnt dort, wo Dein System sich sicher genug fühlt, um loszulassen. Wenn Du gerade akute Suizidgedanken hast oder Dich nicht sicher fühlst, hol Dir bitte sofort Hilfe, zum Beispiel über 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117.

Über den Autor:

Sylvia Hiemstra
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleite Menschen mit psychischen Belastungen, Krisen und spirituellen Fragen.

FAQ: Häufige Fragen zu Panikattacken und Nervensystem

Warum fühlt sich eine Panikattacke so lebensbedrohlich an?
Weil Dein Nervensystem in einen echten Alarmzustand schaltet. Dein Körper reagiert, als wäre reale Gefahr vorhanden, unabhängig davon, ob sie objektiv existiert.
Kann man Panikattacken einfach wegatmen?
Atmung kann im Akutmoment helfen, die Intensität zu senken. Langfristig braucht es meist eine tiefere Regulation des Nervensystems.
Warum kommen Panikattacken oft in Ruhephasen?
Weil Dein Nervensystem erst dann Zeit hat, gespeicherte Anspannung zu zeigen. Ruhe kann paradoxerweise alte Alarmmuster aktivieren.
Hilft Hypnose wirklich bei Panik?
Hypnose kann sehr wirksam sein, weil sie direkt auf das autonome Nervensystem wirkt und neue Sicherheitserfahrungen ermöglicht.
Wann sollte ich mir professionelle Hilfe holen?
Wenn Panikattacken wiederholt auftreten, Deinen Alltag einschränken oder mit Vermeidung einhergehen, ist therapeutische Begleitung sinnvoll.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.