28.01.2026

Wenn Du funktionierst, aber innerlich leer bist

Nach außen hin läuft alles. Du stehst auf, erledigst Deine Aufgaben, gehst zur Arbeit, kümmerst Dich um andere, triffst Entscheidungen. Vielleicht bekommst Du sogar Anerkennung dafür, wie gut Du alles im Griff hast. Und doch ist da etwas, das sich nicht stimmig anfühlt. Eine innere Leere, die Dich begleitet. Kein dramatisches Leiden, kein Zusammenbruch – sondern eher ein stilles Verschwinden von Lebendigkeit. Viele Menschen beschreiben diesen Zustand mit Sätzen wie: Ich funktioniere nur noch. Oder: Ich weiß gar nicht mehr, wer ich eigentlich bin. Oft liegt diese innere Leere nahe an depressiven Zuständen, ohne dass sie sich klar einordnen lässt. Sie ist schwer greifbar, weil sie nicht laut ist. Und genau deshalb bleibt sie häufig lange unbeachtet. Innere Leere ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Signal. Ein Hinweis darauf, dass etwas in Dir zu lange keinen Raum hatte. Dass Dein Inneres sich zurückgezogen hat, um Dich zu schützen. Und dass es vielleicht Zeit ist, wieder in Kontakt zu kommen: behutsam, ehrlich und in Deinem Tempo.
Von: Sylia Hiemstra
Eine Person in dunkler Kleidung geht durch eine weite, neblige Schneelandschaft.

Innere Leere oder Erschöpfung? Warum der Unterschied wichtig ist!

Erschöpfung und innere Leere fühlen sich auf den ersten Blick ähnlich an. Beides geht mit Müdigkeit, Rückzug und einem Mangel an Energie einher. Doch sie haben unterschiedliche Wurzeln – und brauchen unterschiedliche Wege der Begleitung. Erschöpfung entsteht meist aus zu viel: zu viel Verantwortung, zu viel Stress, zu wenig Pause. Wenn Du erschöpft bist, spürst Du oft, dass Dein Körper müde ist, Dein Kopf voll, Dein Nervensystem überreizt. Gleichzeitig ist meist noch ein Gefühl von Dir selbst da. Du weißt, was Dir gut tun würde, auch wenn Du es gerade nicht umsetzen kannst. Innere Leere hingegen entsteht häufig aus zu wenig Kontakt. Zu wenig Verbindung zu Deinen Gefühlen, Deinen Bedürfnissen, Deinem inneren Erleben. Viele Menschen mit innerer Leere berichten nicht primär von Stress, sondern von Gleichgültigkeit, Abflachung oder einem Gefühl von innerer Abwesenheit. Sie funktionieren – aber sie fühlen sich nicht mehr lebendig. Dieser Unterschied ist entscheidend. Denn während Erschöpfung vor allem Ruhe und Entlastung braucht, braucht innere Leere etwas anderes: Wiederverbindung.

Fünf Marker, die innere Leere von Erschöpfung unterscheiden

Diese Marker sind keine Diagnose. Sie sind Orientierung. Vielleicht erkennst Du Dich in einem Punkt wieder, vielleicht in mehreren.
  1. Emotionen Bei Erschöpfung sind Gefühle oft intensiv: Reizbarkeit, Traurigkeit, Überforderung. Bei innerer Leere berichten viele eher von Gefühllosigkeit. Freude, Traurigkeit, Begeisterung wirken gedämpft oder weit weg. Nicht unbedingt, weil nichts da ist, sondern weil der Zugang blockiert ist.
  2. Beziehung zu Dir selbst Erschöpfte Menschen spüren häufig: Ich brauche eine Pause. Menschen mit innerer Leere erleben öfter, dass der innere Kompass fehlt. Was brauche ich eigentlich. Was tut mir gut. Was ist mir wichtig. Entscheidungen wirken beliebig oder leer.
  3. Körperwahrnehmung Bei Erschöpfung meldet sich der Körper deutlich: Müdigkeit, Verspannung, Schlafprobleme. Bei innerer Leere wirkt der Körper manchmal wie abgeschaltet. Manche beschreiben Taubheit, andere nehmen sich kaum noch wahr.
  4. Sinn und Bedeutung Erschöpfung entsteht oft trotz eines grundsätzlichen Sinngefühls. Innere Leere geht häufiger mit Bedeutungsverlust einher. Dinge, die früher wichtig waren, fühlen sich plötzlich sinnlos an. Nicht aus Zynismus, sondern aus innerer Distanz.
  5. Kontakt zu anderen Erschöpfte Menschen wünschen sich oft Nähe, schaffen sie aber nicht. Menschen mit innerer Leere fühlen sich manchmal selbst in Beziehungen nicht wirklich verbunden. Sie sind da, aber innerlich nicht beteiligt.
Ein erster Marker ist das Erleben von Emotionen. Bei Erschöpfung sind Gefühle oft intensiv – Reizbarkeit, Traurigkeit, Überforderung. Bei innerer Leere hingegen berichten viele Menschen von einem Gefühl der Gefühllosigkeit. Freude, Traurigkeit, Begeisterung – alles scheint gedämpft oder weit weg. Nicht, weil nichts da wäre, sondern weil der Zugang fehlt. Ein zweiter Marker zeigt sich in der Beziehung zu Dir selbst. Erschöpfte Menschen wissen oft sehr genau, dass sie eine Pause brauchen. Menschen mit innerer Leere haben diesen inneren Kompass häufig verloren. Sie wissen nicht mehr, was sie brauchen, was ihnen gut tut oder was ihnen wichtig ist. Entscheidungen fühlen sich leer oder beliebig an. Der dritte Marker betrifft den Körper. Bei Erschöpfung meldet sich der Körper deutlich: Müdigkeit, Spannung, Schlafprobleme. Bei innerer Leere wirkt der Körper oft wie „abgeschaltet“. Manche beschreiben ein Gefühl von innerer Taubheit, andere nehmen ihren Körper kaum noch wahr. Ein vierter Marker ist das Erleben von Sinn. Erschöpfung entsteht häufig trotz eines grundsätzlichen Sinngefühls. Innere Leere hingegen geht oft mit einem Verlust von Bedeutung einher. Dinge, die früher wichtig waren, fühlen sich plötzlich sinnlos an. Nicht aus Zynismus, sondern aus innerer Distanz. Der fünfte Marker zeigt sich im Kontakt mit anderen. Erschöpfte Menschen wünschen sich oft Nähe, schaffen sie aber nicht. Menschen mit innerer Leere fühlen sich selbst in Beziehungen häufig nicht wirklich verbunden. Sie sind da – aber innerlich nicht beteiligt. Diese Marker sind keine Diagnose. Sie sind Orientierungshilfen. Und sie können Dir helfen, Dein Erleben ernst zu nehmen, statt es wegzuschieben.

Warum innere Leere entsteht – und warum sie Dich schützen wollte

Innere Leere entsteht selten plötzlich. Sie entwickelt sich oft schleichend, über Jahre. Sie kann eine Reaktion auf Überforderung sein, auf emotionale Verletzungen, auf ungelöste Konflikte oder auf ein Leben, das sich immer weiter von den eigenen Bedürfnissen entfernt hat. Viele Menschen mit innerer Leere haben früh gelernt, zu funktionieren. Stark zu sein. Sich anzupassen. Erwartungen zu erfüllen. Gefühle wurden zurückgestellt, Bedürfnisse relativiert, Grenzen überschritten – oft aus guten Gründen. Die innere Leere ist dann kein Defekt, sondern eine Schutzreaktion. Ein innerer Rückzug, um nicht noch mehr zu spüren, was zu viel geworden ist. Dieser Schutz war einmal sinnvoll. Doch irgendwann wird er zum Hindernis für Lebendigkeit. Der Weg aus der Leere beginnt nicht mit Druck, sondern mit Verständnis.

Drei erste Schritte über Körperwahrnehmung – zurück in Kontakt kommen

  1. Wahrnehmen, ohne zu verändern Beginne damit, Deinen Körper wieder wahrzunehmen, ohne sofort etwas lösen zu wollen. Wie fühlt sich Dein Atem gerade an. Wo berührt Dein Körper den Boden oder den Stuhl. Es geht nicht um Entspannung. Es geht um Kontakt.
  2. Empfindungen benennen, statt Gefühle zu erzwingen Wenn Gefühle gerade nicht zugänglich sind, starte mit dem, was da ist: Druck, Wärme, Kälte, Enge, Weite. In vielen körperorientierten Ansätzen gilt: Der Körper öffnet oft früher als der Kopf. Wenn Du lernst zuzuhören, entsteht langsam wieder Verbindung.
  3. Zeit geben, in kleinen Dosen Innere Leere verschwindet selten über Nacht. Sie löst sich, wenn sie gesehen wird. Kurze, regelmäßige Momente sind oft wirksamer als große Übungen. Es geht nicht um Leistung. Es geht um Präsenz.
Diese Schritte sind kein Ersatz für therapeutische Begleitung – aber sie können ein Anfang sein.

Wenn innere Leere depressionsnah wird

Innere Leere kann sich im Verlauf verstärken und in depressive Zustände übergehen. Besonders dann, wenn sie lange ignoriert wird. Wenn Du merkst, dass Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit oder Selbstabwertung hinzukommen, ist es wichtig, Dir Unterstützung zu holen. Therapeutische Begleitung kann Dir helfen, die Ursachen der Leere zu verstehen, Deinen Körper wieder einzubeziehen und neue innere Zugänge zu entwickeln. Nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit einer Haltung, die Dich als Ganzes sieht.

Was für ein Audioimpuls willst du hier mit einbringen?

Zu diesem Thema kann ein kurzer Audio-Impuls hilfreich sein, um Dich sanft in die Körperwahrnehmung zu führen. Eine ruhige Einladung, einen Moment innezuhalten, Deinen Atem zu spüren und Dich selbst wieder ein kleines Stück näher zu kommen. Nicht, um etwas zu „lösen“, sondern um da zu sein. Dieser Impuls kann ein erster Schritt sein – besonders dann, wenn Worte allein Dich gerade nicht erreichen.

Dein nächster Schritt: Verbindung statt Funktionieren

Wenn Du Dich in diesem Text wiedererkennst, musst Du nicht sofort wissen, wie es weitergeht. Es reicht, anzuerkennen, dass Dein Erleben Bedeutung hat. Du kannst ein Kennenlerngespräch vereinbaren, um gemeinsam zu schauen, was Dich gerade unterstützt. Oder Du kannst Dir Reflexionsfragen herunterladen, die Dir helfen, Deine innere Situation besser zu verstehen. Beides sind Einladungen – keine Verpflichtungen. Innere Leere ist kein Endzustand. Sie ist ein Übergang. Und Du musst ihn nicht allein gehen.

Über den Autor:

Sylvia Hiemstra
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleite Menschen mit psychischen Belastungen, Krisen und spirituellen Fragen.

Fragen und Antworten:

Was bedeutet innere Leere genau?
Innere Leere beschreibt einen Zustand von emotionaler Distanz, Abflachung oder innerem Rückzug. Betroffene fühlen sich oft nicht traurig, sondern eher leer oder abgeschnitten von sich selbst. Es ist ein ernstzunehmendes inneres Signal.
Ist innere Leere eine Depression?
Nicht zwangsläufig. Innere Leere kann depressionsnah sein oder Teil einer Depression werden, ist aber nicht automatisch eine depressive Erkrankung. Eine fachliche Abklärung kann helfen, Klarheit zu gewinnen.
Kann innere Leere von Stress kommen?
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Was hilft bei innerer Leere am Anfang am meisten?
Ein behutsamer Zugang über Körperwahrnehmung, regelmäßige kleine Pausen und das Ernstnehmen des eigenen Erlebens. Druck oder Selbstoptimierung verstärken die Leere oft.
Wann sollte ich mir Unterstützung holen?
Wenn die innere Leere anhält, sich verstärkt oder mit Hoffnungslosigkeit, Rückzug oder Selbstabwertung einhergeht, ist therapeutische Begleitung sinnvoll. Frühzeitige Unterstützung kann verhindern, dass sich depressive Muster verfestigen.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.